Karate-Do

Was bedeutet Karate-Do?

Karate-Do besteht aus drei Schriftzeichen: kara – leer, te – die Hand und do – der Weg. Es bedeutet also: Der Weg der leeren Hand. Karate-Do ist eine Kampfkunst, die auf die Verwendung von Waffen verzichtet.

Wo kommt Karate-Do her?

"Auf die Insel in den südlichen Meeren gelangte eine ausgezeichnete Kunst. Sie heißt Karate. Zu meinem großen Bedauern verfiel die Kunst, und ihre Weitergabe ist zweifelhaft. Wer wird die große Aufgabe übernehmen, damit sie wieder aufgebaut wird und überlebt? Diese Aufgabe will ich übernehmen. Wer wird es tun, wenn ich es nicht tue? Ich blicke in den blauen Himmel ..." (Funakoshi Gichin, zit.n. Lind, 1991, S. 92)

Funakoshi, einer der Urväter des Karatedo, meinte mit der Insel Okinawa. Auf dieser Insel vermischten sich die chinesischen Einflüsse mit den dortigen Kampfkünsten. 

Karate-Do ist daher eigentlich keine ursprünglich japanische Kampfkunst. Dies kann man schon an der älteren Bezeichnung sehen [s. Abb.] tode-jutsu (jap.) oder toudi-jutsu (chin.) - China-Hand-Technik. Vorher hieß es tang-Hand und bezogen sich auf die Tang-Dynastie in China.

(Chengtode-jutsu (jap.) oder toudi-jutsu (chin.)

Funakoshi führte ein neues Schriftzeichen für Kara (China) ein, um die japanische Entwicklung (Absetzung von China wegen des chinesich-japanischen Krieges)  und den geistigen Hintergrund dieser Kampfkunst zu betonen. Kara heißt nun leer und entstammt der Terminologie des Zen. Funakoshi erläutert dieses Zeichen u.a. wie folgt: "Karate-Do ist eine Technik, die es gestattet, sich selbst mit bloßen Händen und Füßen zu verteidigen. Zweitens, genauso, wie ein klarer Spiegel ohne Verzerrung etwas wiedergibt, oder das stille Tal, das einen Ton zurückwirft, genauso muss derjenige, der Karate-Do erlernen will, sich selbst freimachen von selbstsüchtigen und negativen Gedanken, damit er mit klarem Sinn und Verstand das, was er empfängt, verstehen kann. Somit ist der Karateka wie ein Stock von grünem Bambus: innerlich leer, aufrecht und mit Knospen, die da sind: selbstlos, freundlich und überlegt."

Der Ursprung des Karate-Do lässt sich nicht genau feststellen. Zurückverfolgen lässt sich die Geschichte bis zu den Anfängen in Indien über das berühmte Shaolin-Kloster in der Mitte Chinas, in dem im 6. Jahrhundert der Gründer des Zen-Buddhismus, Bodhidharma, lebte und meditierte. Er entwickelte - sicherlich aufbauend auf vorhandenen Formen - die Urform des Karate-Do (Chüan fa). Das waren in erster Linie körperkräftigende Übungen, mit denen sich die Mönche auch gegen Räuberhorden verteidigen konnten. Schließlich kam es nach Okinawa.

Chüan fa ist wohl die Urform aller in Ostasien verbreiteten Kampfkünste, z.B. des in China entwickelten Kung fu, das in sich viele Stilrichtungen hervorbrachte. Es kam wahrscheinlich durch Zen-Mönche nach Okinawa und wurde dort im 17. Jahrhundert nach einem Verbot des Waffentragens mit einheimischen waffenlosen Kampfarten vermischt und zum Kampf gegen die Feudalherrscher verwendet. Okinawa-te (Okinawa ist eine südlich von Japangelegene Insel) ist der unmittelbare Vorläufer des Karate-Do und wurde nur im Geheimen weitergegeben.

Wieso nicht Karate, sondern Karate-Do?

Oft liest man nur den Begriff Karate. Dies ist eigentlich eine unzulässige Verkürzung. So wie man Judo oder Aikido oder Kendo sagt, so heißt es auch Karate-Do. Die Bedeutung erschließt sich bereits aus der Zerlegung des kanji do. Es sind drei Ideographe wie in folgender Abbildung zu sehen ist (Abb. von Matthias v. Saldern).

Man sieht leicht einen Menschen (links), der auf einem Weg geht (unten). Daneben (rechts) erkennt man den Helm, den der Samurai mit prächtigen Kopfschmuck trug. Bewegen bedeutet, dass man Karate-Do machen muss, ausdauernd und regelmäßig. Führen heißt man unter einem Meister oder einer Meisterin Unterstützung erfährt. Erkennen bedeutet, dass man sich selbst erkennt.

Karate-Do ist Budo – was ist Budo?

Karate-Do wurde zuerst in Japan als nicht-japanisch eingestuft, weil es sich von Judo oder Kendo stark unterschied (McCarthy, 1995, S. 54): Es gab keine einheitliche Kleidung, es gab verschiedene konkurrierende Meister und hatte auch keine einheitliche Organisation. Damit widersprach Karate-Do anfänglich dem wa (Harmonie-)prinzip. Erst ab 1933 kann man von einer Integration des Karate-Do in die Budokünste sprechen.

Günstig ist es, vom Begriff selbst auszugehen: Budo setzt sich zusammen aus do und bu. Bu wiederum enthält zwei Ideographen, nämlich Speer und Stop (Friday & Humitake, 1997, S. 64), wie in der folgenden Abbildung (von Matthias v. Saldern)  zu sehen ist.

Warum ist Karate-Do mehr als ein Kampfsport?

"Karate ist eine sehr tiefe Sache, man kann zwar immer weiter in sie eindringen, wird sie aber nie ganz ausloten können."

Schon dieser schlichte Satz des Karate-Großmeisters Taiji Kase zeigt, dass diese uralte chinesisch-japanische Kampfkunst ganz andere Dimensionen beinhaltet, als gewöhnlich angenommen wird.

Karate-Do ist in seiner jahrhundertealten Tradition auf die Einheit von Leib, Seele und Geist ausgerichtet. Wie in den anderen Do-Künsten (z.B. Judo, Aikido, Kendo, Shodo, Kyudo,...) wird über die sportliche Leistung hinaus die innere Übung und die Ausbildung der Persönlichkeit gefördert. Ein Leitspruch des Karate-Do besagt: "Oberstes Ziel im Karate ist weder Sieg noch Niederlage, der wahre Karatekämpfer strebt nach der Vervollkommnung seines Charakters."

Auch wenn uns Europäer diese Sprache etwas fremd anmutet: Gemeint ist, dass auf dem Do Leib, Seele und Geist durch eine bestimmte und kontinuierliche Tätigkeit und Verhaltensweise (z.B. Karate-Do) aneinander gebunden werden und ineinander übergehen. Ein Beispiel: Das aufrechte Stehen im Karate-Do würde sich dann nicht nur auf den Sport beziehen, sondern zu einer Lebenshaltung werden. Aus dem Do soll der Mensch lernen, das, was er tut, ganz zu tun.

Aufmerksam sein in dem, was geschieht, im Hier und Jetzt leben; diese Haltung nennen die Japaner Zanshin (wörtl: Geist des Überlebenden). Auch im Westen wird dieses Konzept zunehmend beachtet (z.B. in der Psychotherapie). Der Mensch kann ein freies Bewusstsein entwickeln, indem er ohne Streben nach Nutzen und Profit übt, eben einfach deshalb, weil es ihm etwas gibt. Die Japaner nennen diese Haltung Mushin (leerer Geist), aber auch in Europa hat der bedeutende Philosoph und Psychotherapeut Erich Fromm dies mit Sein statt Haben charakterisiert. Die Existenz im Haben führt im Sport z.B. zum Nur-Gewinnenwollen, Besser-Sein-Wollen als andere, Nicht-Verlieren-Können etc. Das Sein könnte bedeuten, dass unsere innere Energie Ki, die auch durch Karate-Do entwickelt wird, zur Lebensenergie wird. Diese Energie kommt aus dem Hara, dem Unterbauch, der Mitte, dem inneren Zentrum oder dem Meer der Energie, wie die Japaner sagen und führt bei einer vollen Karatetechnik zum Kiai (Schrei, in dem Energie und Harmonie verbunden sind). Es ist der Moment, in dem man alle Muskeln spannt (kI= Enerie; ai=Zusammenkommen).

Karate-Do – natürlich auch ein Sport

Karate-Do ist in erster Linie ein körperlicher Weg: Es wird erlernt, sich körperlich optimal zu bewegen und zu beherrschen. Dabei werden besonders die Motorik, Gelenkigkeit, Schnellkraft, Reaktionsfähigkeit, Ausdauer und Atmung entwickelt und perfektioniert. Durch die körperliche Übung werden auch Konzentrationsfähigkeit, Selbstüberwindung, Entschlusskraft, Gelassenheit, Ruhe, Selbstwertgefühl, Fairness, Rücksichtnahme, Bescheidenheit gefördert.

Stilrichtungen

Gichin Funakoshi, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Okinawa, gilt als der Vater des modernen Karate-Do, zumindest ist er es, der es stark verbreitet hat. Er zeigte Karate-Do erstmals 1922 in Tokyo der japanischen Öffentlichkeit und Vertretern anderer Kampfkünste, die es begeistert aufnahmen. Funakoshi übte und lehrte bis zu seinem Lebensende mit 88 Jahren im Jahr 1957. Sein von ihm nicht fixiertes System wurde nach seinem Spitznamen Shoto benannt. Im Shotokan wurde der Wettkampf nach dem Tod Funakoshis eingeführt, der selbst strikt daegen war. Daneben wurden auch andere Stilrichtungen gegründet wie Goju Ryu, Wado Ryu, Shito-Ryu etc.

shoto wird in vielen Büchern oder Lexika als Pinienrauschen übersetzt. Kase Sensei erklärte die Bedeutung: Es sollte ein Ausdruck der Bewunderung für seine Art von Karate-Do sein.

shô = Pinie, eine Kiefernart auf Okinawa mit starken Wurzelwerk. Es sollte verdeutlichen, dass Gichin sehr stark stehen konnte (erdverwachsen war).

= die alles zerstörende Welle. Die Welle ist im japanischen eigentlich nami. Tô dagegen ist weit mehr: es ist die große Welle, die nach einem Seebeben kommt (in Japan gar nicht so selten). Diese Welle zerstört mit einer Bewegung alles. Tô sollte für die Härte und Zerstörungsenergie der Technik stehen.

kan = Halle

Die Symbol des Shotokan ist der Tiger. Das Wahrzeichen wird Tora no Maki genannt. Unter diesem Absatz sieht man die Signatur des Künstlers Hoan Kusugi, der Freund und Schüler von Funakoshi Gichin war.

 

Begriffe

Das Dojo

Der Ort an dem eine Kampfkunst praktiziert/ geübt wird nennt man Dojo (Ort des Weges). Traditionell ist das Verhalten an diesem Ort immer einer bestimmten Etikette unterworfen. Einerseits dient die Etikette dem Schutz und Achtung der Übungspartner anderseits haben die Rituale auch eine tiefere philosophische Bedeutung, die auch im Aufbau eines traditionellen Dojo zum Ausdruck kommt.

Die folgende Abbildung zeigt skizziert den Aufbau und die Sitzordnung der Kampfkunstübenen (Budoka, Bugeisha) bei der kurzen Meditationsphase (mokuso) vor und nach dem Training.

Gegenüber des Eingangs ist ein Altar/ Schrein, der Kamiza (Sitz der Götter) aufgebaut. In traditionellen Dojos ist er meist auch mit verschiedenen Reliquien geschmückt und enthält z.B. ein Photo des Gründers des jeweiligen Kampfkunststils oder -schule. In einigen alten Schulen/ Stilen wird hier auch heute noch die Asche des Stilbegründers in einer Urne aufbewahrt. Die Wandseite des Dojos mit dem Kamiza nennt man Shomen (Vorderseite/Frontseite).

Das Fortschreiten auf dem Weg des Übens einer Kampfkunst wird durch die Sitzordnung beim Gruß (rei) symbolisiert. Direkt am Eingang und am Anfang eines imaginären Weges (Linie zum Kamiza/ Shomen) sitzen die Deshi (Schüler) entsprechend ihres (Gürtel-)Grades. Rechts von den Schülern sitzen die älteren (Weg-) Schüler (Senpai;  der Vorausgehende) entweder mit in der Reihe oder wie auf der Abbildung rechts vor der Reihe der Schüler. Der Sensei (MeisterIn ) ist zumeist der älteste Meister/die älteste Meisterin einer Kampfkunst und ist auf dem Weg der Kampfkunst am weitesten fortgeschritten, er/sie sitzt direkt vor dem Kamiza.

Das Enbusen (Bewegungsrichtungen) ist ebenfalls aus dem Aufbau eines Dojo ableitbar. Die Hauptlinie bildet die Verbindung von Eingang zu Shomen, verbindet man die Seitenwände und die 4 Ecken des Dojo mit Linien erhält man die heiligen 8 Plätze/ Ecken (Hasshinden), die in vielen Kampfkunst Übungsformen enthalten sind. Schon die erste Kata (Heian Shodan) lehrt uns sich auf diesen Hauptlinien zu bewegen.

 


Dojokun

 Zur Ethik des Karate-Do

(mit freundlicher Genehmigung von Andreas F. Albrecht, erschienen im JKA Magazin 04/2004)

Karate wurde in seinem Ursprungsland Okinawa über lange Zeit hinweg im streng geheimgehaltenen Einzelunterricht oder in Kleinstgruppen unterrichtet und trainiert. Die Schüler in Okinawa wurden in diesem Rahmen von alters her unter dem Einfluß ihrer Meister nicht nur in technischer Hinsicht unterwiesen, sondern im Sinne einer ritterlichen, defensiven und friedfertigen geistigen Grundhaltung erzogen.

Die Disziplin und Höflichkeit der Karatekas hatte den Sinn, sie als Krieger, die mit einem gefährlichem Sonderwissen ausgestattet waren, gesellschaftsfähig zu halten. Sie hatten höflich, bescheiden und selbstdiszipliniert in ihrem Wesen zu sein und doch zugleich auch todesverachtende, effektive und kompromißlose Kämpfer.

Die Selbstbeherrschung und Höflichkeit jener Karate-Krieger war nicht mehr und nicht weniger als eine Sicherheitsgarantie gegenüber der Gesellschaft, in der sie lebten. Allerdings war Höflichkeit im alten Okinawa generell ein Wert von hoher gesellschaftlicher Akzeptanz: Im Jahre 1579 verlieh der chinesische Kaiser Okinawa deshalb sogar den Ehrentitel "Land der angenehmen Umgangsformen", den man sich in der Hauptstadt damals stolz auf die Fahnen schrieb. Die okinawanische Gesellschaft des Mittelalters scheint also ganz im Gegensatz zu unserer modernen westlichen Zivilisation von tief innen her auf Friedfertigkeit und Harmonie ausgerichtet gewesen zu sein.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde vor allem durch das Wirken der Shôrin-Meister Itosu Yasutsune und Yabu Kentsu Karate allmählich öffentlich und in immer größer werdenden Gruppen unterrichtet. Karate wurde damals in den Dienst des japanischen Nationalismus gestellt, der später in einem offenen Militarismus gipfelte. Es läßt sich beweisen, daß Meister wie Itosu, Higaonna und Yabu, später auch Funakoshi und andere der japanischen Militärmaschinierie zuarbeiteten.

Dennoch war ihr Unterricht aber wohl immer von den alten okinawanischen Vorstellungen der "Schicklichen Umgangsformen" bestimmt gewesen. Das alte Erbe aus der friedfertigen Kultur Okinawas haftete dem geistigen Hintergrund des traditionellen Karate noch immer fest und sicher an.

Traditioneller Unterricht ist aus diesem Grund auch heute noch, selbst wenn er nach den formalen Konzepten des Meisters Kentsu Yabu größeren Gruppen erteilt wird, in seinem Ablauf und in den Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander streng geregelt. Sie bilden ein enges Netz gegenseitiger Verantwortlichkeiten. In Rahmen dieser Beziehungen sind jedem Gruppenmitglied je nach seiner Fortschrittsstufe bestimmte Rollen und Aufgaben zugewiesen. Diese Organisationsstruktur ermöglicht es den Übenden im geschützten Raum der Übungssituation nicht nur, die Wirkung von festen und klar umrissenen Umgangsformen zu erfahren und einzuüben, sondern auch, sich mit den Lehrinhalten der Kampfkunst angstfrei auseinanderzusetzen.

Der gesamte Übungsablauf des traditionellen Karate unterliegt in dieser Weise einer stabilen Ordnung, die im Idealfall durch nichts als durch die körperliche und geistige Selbstkontrolle der einzelnen Kartatekas aufrecht erhalten wird. Diese Ordnung beruht auf Regeln, die Teil des oft zitierten "geistigen Hintergrundes" des Karate sind. Sie beruhen auf den selben Prinzipien, die früher im alten Okinawa zwischen einem einzelnen Meister und seinem oft einzigen Schüler Geltung gehabt haben.

Neuere Entwicklungen im Karate, nicht zuletzt der moderne Sportbetrieb, haben es mit sich gebracht, daß diese Regeln des traditionellen Karate weitgehend vergessen oder in den Hintergrund gedrängt worden sind. Obwohl sie ursprünglich wohl nicht abschließend kodifiziert waren, lassen sie sich doch weitgehend in den fünf Leitsätzen der sogenannten "Dôjôkun" zusammenfassen:

Eins ist: Nach der Vollendung der Persönlichkeit streben. (Hitotsu, jinkaku kansei ni tsutomeru koto.)

Eins ist: Den Weg der Wahrhaftigkeit bewahren. (Hitotsu, makoto no michi o mamoru koto.)

Eins ist: Den Geist der Bemühung entfalten. (Hitotsu, doryoku no seishin o yashinau koto.)

Eins ist: Den respektvollen Umgang hochschätzen. (Hitotsu, reigi o omonzuru koto.)

Eins ist: Sich vor unbesonnenem Mut in acht nehmen. (Hitotsu, kekki no yû o imashimuru koto.)


Kalligraphie der Dojokun von Masatoshi Nakayama, Gründer der Japan Karate Association (JKA). Gelesen werden sie von rechts nach links und von oben nach unten. Alle beginnen mit "eins ist". Dies soll verdeutlichen, daß jeder Leitsatz gleich wichtig ist.

In ihren einzelnen Maximen ist diese Dojokun sehr allgemein gefaßt. Mit ihren fünf Sätzen stellt eine jedoch umfassende ethische Leitlinie dar, die dennoch keine konkrete oder inhaltlich festgelegte Moral einfordert. Dies verleiht der Dojokun eine zeitlose und kulturübergreifende Bedeutung. Sie ist ganz auf die Entwicklung von Redlichkeit, Aufrichtigkeit und Integrität ausgerichtet, für deren Wahrung wir als Einzelne ausschließlich selbst verantwortlich sind.

In einem gewissen Sinne ist die Dojokun an alle Menschen guten Willens gerichtet, die bereit sind, an sich selbst zu arbeiten. Für uns Karatekas liegt ihre wesentliche Bedeutung darin, daß wir uns durch sie auffordern lassen, unser Streben, die äußeren Aspekte der Kampfkunst zu erlernen, mit der Suche nach philosophischer Einsicht, ja sogar nach umfassender Erleuchtung zu verbinden. Es gilt, unser Karate in Lichte der Dojokun so zu üben, daß wir den zum Kampf strebenden Geist in uns befrieden.

Zur Person:

Andreas F. Albrecht wurde 1957 geboren und beschäftigt sich seit 1976 mit Karate, Qi Gong und Tai Chi. Das Rückrat seines Karate bildet der Shotokan Stil (4. Dan, 2003). Ein besonderer Schwerpunkt seines Interesses liegt auf dem Gebiet des Ryu Sui Ken Karate, das er seit 1993 von Meister Himi Yoshi erlernt. Verschiedentlich hielt er sich zum Studium des Karate in Japan und Südafrika auf. Auf dieser Grundlage unterrichtet er in seinem Dojo (www.keikokan.de) einen Weg, auf dem sich Karate, ZaZen (Meditation) und Ki Training verbinden. 2004 hat er eine ausführliche Abhandlung (Dojokun Die Ethik des Karate-do) über die Dojokun bei schlatt (www.schlatt-books.de) veröffentlicht.

 

Links rund um das Karate-Do

Allgemein zu Karate/Verbände

Soundkarate / Stilrichtungsfreies Karate